Gegen Mittag haben wir erfahren, dass wir 17 Meilen vor 17 Uhr machen müssen, da dann das Post-Office in Wrightwood schließt. Das wäre nicht so schlimm, wenn am nächsten Tag nicht Sonntag wäre, und wir so nicht an unsere Bounce-Box können und somit hier festsitzen würden. In unseren Boxen befinden sich die Micro-Spikes, die wir schon am San Jancinto gebraucht haben, und dringend für den nächsten Abschnitt benötigen.
Das Wetter ist den ganzen Tag miserabel. Es regnet, überall ist Nebel und es ist windig.

Irgendwann kamen wir an den Highway, von dem wir versuchen wollten nach Wrightwood zu kommen. Viele Autos fuhren nicht, aber ein paar nette junge Leute nahmen uns dann mit. Später, nachdem wir unsere Bounce-Boxen geplündert haben, ist mit aufgefallen, dass ich wohl oder übel meine Trekking-Stöcke in deren Wagen gelassen habe. Klasse. Das war mal ein Geschenk einer guten Freundin. Und hier kosten die Dinger 120 Dollar. Total genervt, mussten wir uns dann noch eine Übernachtungmöglichkeit suchen. Da wir früher ankamen als geplant, hatten wir natürlich nichts vorbereitet. Also schnell noch mal eben über Airbnb ein Zimmer gebucht, jetzt ist eh schon alles egal.
Eine halbe Stunde später stehen wir vor einem zweistöckigem Gebäude. Uns öffnet Diane, eine aufgeweckte, ältere Dame, die Tür und begrüßt uns mit mehreren Bieren, da wir ja aus Deutschland kommen.

Das hebt auf jeden Fall schon einmal die Laune, aber dann zeigt uns Diane die Werkstatt und das Hobby ihres Mannes. Jeff restauriert alte, selbstspielende Pianos und Orgeln. Das betreibt er schon seit 16 Jahren. Auch die Lochkarten, auf denen die einzelnen Songs basieren, locht er selbst.
Sehr schnell mündete so der echt bescheidene Tag in einen guten Abend mit Bier, guter Gesellschaft und fragwürdiger Musik.
Wir blieben auch noch den nächsten Tag in Wrightwood um das Wetter auszusitzen und uns etwas auszuruhen, denn uns steht ein anstrengender Aufstieg auf den Mount Baden-Powell bevor.