Das Karma-Prinzip

Den Luxus eines Jaccuzis ist man ja eigentlich nicht gewohnt, deshalb haben wir uns dazu entschlossen erst gegen Nachmittag zu versuchen zum Trail zu kommen. Den Mittag verbummelten wir mit Lunch und Burgern, unsere Bounce-Boxen mussten noch zur Post und dann wollten wir uns noch ein Eis kaufen, da wir ja technisch gesehen noch immer in der Wüste waren und wo kriegt man da schon mal ein Oreo-, oder Spongebob-Eis her? Erst dann haben wir uns an die Straße gestellt.

Einer der schöneren Orte um mitgenommen zu werden

Nach kurzer Zeit hält auch eine Frau an, die uns darüber aufklärt, was es mit der verbrannte Umgebung von Idyllwild auf sich hat. Ein Brandstifter (12 Jahre Gefängnis) hat einfach mal so, vermutlich aus Spaß, einen Waldbrand entfacht. Fünf Feuerwehrleute aus dem kleinen Örtchen sind dabei ums Leben gekommen, Teile des Trails waren bis Dezember letzten Jahres gesperrt.

Was soll man dazu noch sagen?

Zurück auf dem Trail gehen wir noch einige Stunden. Wie weit, keine Ahnung, weiß ich nicht mehr. Wichtiger ist jedoch: Wir haben Müll gefunden. Das ist insofern besonders, da wir mittlerweile an die grundlegenden Werte des Trailkarma glauben (ja, man hat hier echt viel Zeit sich über so etwas Gedanken zu machen). Die Zivilisation ist ja immer ein paar Tage entfernt. Deshalb ist es meist ein schwierigeres Unterfangen Müll loszuwerden, als in einer x-beliebigen, mülleimerreichen Stadt. Hier nimmt man sich diesem Müllschnipsel an, addiert ihn quasi zu seinem immer viel zu schweren Rucksack dazu, und trägt dann diesen Fehler eines Anderen für mehrere Tage raus aus der Natur. Damit angefangen haben wir kurz vor Lake Morena, jemand hatte seine Zeltunterlage in der Nähe des Trails liegen lassen. Einen Tag später lag dieses ‚Groundsheet‘ auch schon in einer Hiker-Box. Dafür haben wir dann direkt daneben, auf einem Campingtisch ein verlassenes, geschlossenes Bier entdeckt (man darf bei Trail-Karma halt auch nicht wählerisch sein!).

Long story short: Auch dieses Mal hatten wir genug Karmapunkte gesammelt. Am Abend nach diesem kurzen Tag, wir waren grade dabei etwas zu essen, kam ein anderer PCTler vorbei. Ob hier noch Platz für ein Zelt sei? Klar, dort drüben. Ob wir Lust auf ein Bier hätten? Bitte was? Er wollte wohl noch seine Freunde einholen, die seien aber vorausgelaufen. Außerdem habe er viel zu viel Essen dabei und wolle jetzt etwas Gewicht loswerden.

Wie gesagt: Nicht wählerisch sein!

Nach dem Bier bin ich übrigens noch mal hoch zum Trail um die Alufolie aufzusammeln, die ich dort gesehen habe. Und was wir nicht bedacht hatten: Die leeren Dosen mussten wir natürlich auch die nächsten 5 Tage schleppen. Das war es aber wert.

Müll gegen Bier. Ein Erfolgskonzept.

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